Béla Bolten

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Trügerische Spur – Der Seite-99-Test

Wie beurteilt man vor dem Kauf die Qualität eines Buches oder ob es einem gefällt? Man liest den Klappentext und die erste Seite? Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, bei der Lektüre enttäuscht zu werden. Das jedenfalls behauptete vor etwa hundert Jahren der englische Schriftsteller Ford Madox Ford, denn Autoren würden stets die größte Sorgfalt auf den Anfang eines Romans legen. Er empfahl deshalb, die Seite 99 zu lesen. Deshalb also hier:

Béla Bolten: Trügerische Spur
Seite 99

Jacob zuckte zusammen. Die Stimme kam aus der Richtung des Holzstapels, den er bei seiner Position im rechten Augenwinkel gerade noch sehen konnte.
»Roy. Mein Name ist Jacob Roy. Und wer sind Sie?«
»Was wollen Sie?«
Trügersiche Spur Cover im BuchAnscheinend war der Waldbewohner nicht willens auf Fragen zu antworten, also beschloss Jacob, eine andere Taktik zu versuchen.
»Ich bin auf der Suche nach einem gewissen Lewis Hammer.« Er wartete auf eine Reaktion. Als sie ausblieb, setzte er hinzu: »Kennen Sie diesen Hammer? Ich soll ihm eine Nachricht von Jake überbringen. Jake McBennett, um genau zu sein.«
»Wenn Jake mir etwas zu sagen hat, kommt er selber.«
Ein metallenes Klacken, Jacobs Haare auf dem Unterarm richteten sich auf. Der Mann hatte eine Repetierbüchse durchgeladen, dem Geräusch nach handelte es sich um ein älteres, möglicherweise antikes Exemplar, was die Gefahr aber nicht minderte. Er näherte sich langsam, seine Schritte verursachten auf dem Schotterweg ein knirschendes Geräusch.
»Was wollen Sie also von mir, Herr Doy?«
Zum Glück fiel Jacob Fionas Beschreibung des Mannes noch rechtzeitig ein, bevor er seinen Namen korrigierte. Der R-Fehler! Es hatte es also ohne Zweifel mit Max Zenker zu tun.
»Das habe ich Ihnen bereits gesagt, Mister Hammer.«
Jacob hielt die Luft an, um jedes Knistern oder Rascheln interpretieren zu können. Er durfte sich keinen Fehler leisten, Typen wie Zenker waren unberechenbar, und er wusste nicht, ob er ein Gewehr im Anschlag hatte oder nur eine Attrappe wie Westernfans sie bei ihren Treffen benutzten.

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Die Kreuzigung

Passend zu Karfreitag blättere ich „Das Jesuskomplott“ auf, in dem es auch um die Kreuzigung als Hinrichtungsmethode geht.

Er setzte sich auf seinen Platz, während Engel sein Notebook mit dem Beamer verband. Als er aufblickte, sah er ratlose Gesichter. Anscheinend verstand niemand, warum sie sich jetzt einen Vortrag über die Kreuzigung als Hinrichtungsmethode in Palästina zur Zeit der römischen Besetzung anhören sollten. So jedenfalls lautete nach der ersten Folie der Titel des Referats.
«Patrick hat mich heute Morgen gebeten, Ihnen zu referieren, was wir über die Kreuzigung als Hinrichtungsmethode wissen. Nun ist das absolut nicht mein Spezialthema, und ich war erstaunt, wie viel gesicherte Erkenntnisse wir haben. Bolten_JesusKomplott ebookUm Sie nicht zu langweilen, werde ich mich auf die wichtigsten Fakten beschränken.»
Zustimmendes Nicken von allen Anwesenden begleitete Engels letzten Satz.
Engel nahm einige lose Blätter zur Hand und begann seinen Vortrag, den er, wie von seinen Vorlesungen gewöhnt, mit ausladenden Gesten unterstrich.
«Ohne Zweifel ist der Tod durch Kreuzigung einer der grausamsten. Das sahen auch die Römer so. Cicero zum Beispiel nannte die Kreuzigung ‹die graumsamste und scheußlichste aller Foltern›, und Flavius Josephus sprach von der ‹erbärmlichsten Todesart›. Weil die Kreuzigung so erniedrigend war, durfte sie nicht an römischen Staatsbürgern angewendet werden. Sie war vor allem bei politischen Verbrechen wie Hochverrat oder Rebellion die bevorzugte Hinrichtungsmethode. Sie alle kennen die Geschichte von den sechstausend gekreuzigten Anhängern des Spartakus.»
«Das hat mich schon im Kino gelangweilt.»
Peter Deary durchbrach die Stille im Raum und kurzzeitig lärmten alle durcheinander wie eine Schulklasse nach einem gelungenen Witz des Klassenclowns. Hawley stoppte diesen Frohsinn mit seinem tiefen Bass.
«Bitte, lassen Sie Wolfram weiterreden. Sie werden sehen, es ist wichtig.»
Engel deutete eine leichte Verbeugung in Richtung des schwarzen Hünen an und fuhr fort:
«Es gibt eine ganze Reihe von Quellen, die uns relativ genau Aufschluss darüber geben, wie eine Kreuzigung ablief. Zunächst zum Kreuz selbst.»
Auf der Leinwand erschienen verschiedene christliche Kreuze unterschiedlicher Kunstepochen.
«In der christlichen Ikonografie des Abendlandes hat sich die sogenannte lateinische Form des Kreuzes durchgesetzt, bei welcher der Kreuzarm, das Patibulum, ein Stück unterhalb des Endes des Kreuzstammes Stipes befestigt war. In der uns interessierenden Zeit verwendete man aber Kreuze, die wie der Buchstabe T aussahen. Das Patibulum wurde in einer Kerbe am oberen Ende des Stipes befestigt.»
Auf dem Bildschirm erschien zunächst ein aufrecht stehender Balken, auf den ein Querbalken aufgesetzt wurde. Engel ärgerte sich in diesem Moment, eine solche animierte Darstellung gewählt zu haben. Es machte mehr den Eindruck einer Bastelanleitung für Kinder als eines wissenschaftlichen Vortrages.
«Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie die Kreuzigung an sich vonstatten ging, sollten wir uns noch mit dem gesamten Ablauf beschäftigen. Der eigentlichen Hinrichtung ging das Auspeitschen voraus. Nachdem das Gericht das Todesurteil verkündet hatte, wurde der Verurteilte an einen Pfahl im Hof des Gerichts gebunden. Die Geißelung wurde mit einer Peitsche vorgenommen, die etwa so ausgesehen haben könnte.»
Es erschien die Abbildung einer Geißel, die aus mehreren Lederriemen bestand, in die scharfkantige Knochen und Bleistücke eingeknüpft waren.
«Nach jüdischem Gesetz durften maximal vierzig Schläge verabreicht werden. Ob sich die Römer an diese Beschränkung hielten, wissen wir nicht. Allerdings reichten vierzig Schläge aus, um einen Mann schwer zu verletzen.»
Engel griff zu einem Glas Wasser und trank einige Schlucke.
«Nach dieser Folter war jeder Verurteilte dem Tod näher als dem Leben. Von der folgenden Verspottung durch die Soldaten wird er ebenso wenig mitbekommen haben wie von der Dornenhaube, die man ihm anschließend aufsetzte.»
«Sie meinen, die Geschichte mit der Dornenkrone stimmt?»
Van Damme, der den ganzen Abend noch kein einziges Wort gesagt hatte, kratzte sich am Kopf.
«Schwer zu sagen», antwortete Engel, «aber möglich wäre es. Relativ sicher ist auf jeden Fall, dass der Verurteilte das Patibulum eigenhändig zum Hinrichtungsplatz schleppen musste. Das Holzstück dürfte etwa fünfzig Kilo gewogen haben, und die meisten werden unter dieser Last nach der Folterung schier zusammengebrochen sein.»
Engel machte eine kurze Pause und tippte auf der Tastatur seines Notebooks herum. Als er die Folie gefunden hatte, die er suchte, fuhr er fort:
«An der Hinrichtungsstätte angekommen, ging alles schnell. Normalerweise entkleideten die Soldaten den Gefangenen vollständig, den Juden ließ man allerdings ein Lendentuch. Das Patibulum wurde auf den Boden gelegt und die Handgelenke mit schweren, viereckigen Eisennägeln daran fixiert.»
«Moment!»
Van Damme war aufgesprungen.
«Habe ich da jetzt irgendetwas falsch verstanden? Sie sprechen von Nägeln? Ich habe doch noch vor Kurzem in einem Fernsehbeitrag gehört, dass der Verurteilte mit Seilen und nicht mit Nägeln am Kreuz befestigt wurde.»
Der Holländer schien aufgebracht, und auch unter den anderen Anwesenden trat Unruhe ein. Lieb gewordene Vorurteile gerieten ins Wanken. Konnte es sein, dass die Bibel doch recht hatte?
«Das stimmt, Eric, es gab beide Methoden. Allerdings wissen wir ziemlich sicher, dass zurzeit Jesu in Palästina genagelt wurde. Es gibt hierzu einen eindeutigen Grabungsfund.»
Henderson wedelte mit beiden Händen.
«Bitte, Wolfram, mach weiter!»
«Nachdem die Hände festgenagelt worden waren, wurde das Patibulum am aufgerichteten Stipes hochgezogen und befestigt. Der damit beauftragte Legionär nahm die Beine des Opfers und beugte sie. Anschließend presste er die Fersen aneinander und schlug einen langen Nagel hindurch ins Holz.»
Sarah Goldberg stöhnte auf.
«Ehrlich, ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen. Sah Jesus jetzt so aus, wie wir ihn von den Kreuzen in den Kirchen kennen?»
«Nein, es sah anders aus. Und zwar so.»
Engel drückte eine Taste auf seinem Notebook, und auf der Leinwand erschien die schematische Darstellung eines Gekreuzigten.
«O Gott», entfuhr es Stone, «der Körper ist völlig verdreht.»
Engel wunderte sich, dass die hartgesottene Anthropologin bei diesem Anblick weich wurde, und nickte ihr aufmunternd zu.
«Genauso ist es, Theresia. Die Beine des Opfers wurden zur Seite gedreht, um sie mit einem einzigen Nagel durch die Fersen zu stabilisieren.»
«Und wozu diente dieser Holzbalken unterhalb des Gesäßes?», fragte Theresia jetzt wieder sachlich und gefasst.
«Diese sogenannte Sedecula hatte einen einzigen Zweck: das Leiden des Opfers zu verlängern. Medizinisch gesehen geschah Folgendes – bitte korrigieren Sie mich, Patrick, wenn ich etwas Falsches sage.»
Hawley brummte Zustimmung und machte sich ansonsten Notizen. Er hatte fast ein Blatt vollgekritzelt.
«Je länger der Mann am Kreuz hing, desto mehr ermüdeten die Arme. Schon nach kurzer Zeit dürfte er von Muskelkrämpfen geplagt worden sein. Als wäre das nicht schlimm genug, kam noch die steigende Atemnot durch die Lähmung der Brustmuskeln hinzu. Ein Gekreuzigter konnte zwar noch Luft ein-, aber nicht mehr ausatmen. Es beginnt ein schrecklicher Kampf, bei dem er versuchte, sich aufzurichten, um wenigstens einen kurzen Atemzug zu tun. Am Anfang half ihm ein Paradoxon. Je mehr Kohlendioxyd sich im Blut ansammelte, desto mehr ließen die Krämpfe nach. Er konnte sich für einen kurzen Moment aufrichten und das Gesäß auf die Sedecula bringen. Jetzt konnte er ausatmen und lebenswichtigen Sauerstoff einatmen. Aber wie gesagt, diese Entspannung dauert nur Sekunden, dann sackte der Körper wieder zusammen.»
«Und woran starb ein Gekreuzigter? Am Blutverlust?»
Sarah hatte die Frage fast atemlos gestellt.
Hawley richtete sich zu seiner ganzen Größe auf.
«Wenn Sie gestatten, Wolfram.»
Er blickte Engel an, der ihm mit einem Kopfnicken zu verstehen gab, weiterzusprechen.
«Nach einer Weile stellte sich ein sogenannter orthostatischer Kollaps aufgrund unzureichender Blutversorgung des Gehirns und des Herzens ein. Der Gekreuzigte sackte vollständig in sich zusammen. Hätte ich ihn anschließend auf dem Tisch gehabt, hätte die Diagnose Tod durch Ersticken gelautet.»
«Das ist ja furchtbar.»
Sarah war kalkweiß im Gesicht.
«Wie lange dauerte dieser Todeskampf.»
«Schwer zu sagen. Letztendlich ist das abhängig von der individuellen Konstitution des Gekreuzigten. Von ein paar Minuten bis zu ein paar Stunden ist alles drin.»
«Und wenn es den Legionären zu lange dauerte, halfen sie ein bisschen nach.»
Engel war Hawley ins Wort gefallen und machte eine entschuldigende Geste, die dieser nickend quittierte.
«Sie brachen dem Gekreuzigten die Beine, damit er sich nicht mehr aufrichten konnte. Dann trat nach kurzer Zeit der Erstickungstod ein.»
«Unser Jesus hier war allerdings bereits vorher tot. Zumindest sind seine Beine nicht gebrochen.»
Nachdem Hawley den Satz beendet hatte, klappte er das Notebook vor sich auf. Es war so still im Raum, dass sich dieses Geräusch wie ein Peitschenknall anhörte. Einzig Hawley war nicht von der Starre befallen, die alle anderen im Raum zu lähmen schien. Er stand auf, zog das Kabel aus Engels Computer und verband stattdessen sein Notebook mit dem Beamer. Wieder erschien das Skelett auf der Leinwand. Erst jetzt hörte man eine Stimme, von der Engel zunächst nicht wusste, wem sie gehörte. Sie krächzte mehr, als dass sie menschlich intonierte, und erst als er aufsah, wusste er, dass es Henderson war.
«Was zum Teufel wollen Sie uns damit sagen?»
«Nun, ich war mir zunächst nicht sicher, und deswegen bat ich Wolfram um seinen Vortrag. Sehr einleuchtend übrigens, Herr Professor.»
Er verbeugte sich spielerisch in Engels Richtung, der für diesen Spaß keinen Sinn zu haben schien. Er starrte auf die Leinwand. Dort erschienen Fotografien einzelner Knochen in Großaufnahme, anschließend füllte ein bestimmter Knochen das ganze Bild.
«Nun machen Sie schon, Patrick!»
Auch Engel hörte man die Ungeduld an. Hawley hingegen blieb sachlich.
«Was Sie hier sehen, ist der linke Handwurzelknochen unseres Jesus.»
Er drückte erneut eine Taste, und es erschien ein Teil des Knochens in Großaufnahme.
«Sehen Sie die Einkerbungen auf der linken Seite? Es handelt sich um Absplitterungen von Knochenmaterial. Die gleichen Verletzungen finden sich am rechten Handwurzelknochen und an den Fersen beider Füße – hervorgerufen durch einen spitzen und harten Gegenstand aus Metall.»
Hawley machte eine Pause und griff in seine Hosentasche. Er zog einen kleinen Stoffbeutel heraus, den er öffnete und über der Tischplatte ausschüttelte. Mit metallischem Klirren fiel ein Gegenstand auf den Tisch, den er anschließend zwischen Daumen und Zeigefinger hochhielt.
«Die Verletzungen an den Fersen stammen von diesem Nagel, den wir ebenfalls im Ossuarium fanden.»
Patrick zeigte den rostigen, etwa zehn Zentimeter langen Stahlstift in alle Richtungen.
«Ich wusste erst nicht, was ich davon halten sollte. Aber nach den Ausführungen von Wolfram Engel steht für mich eines ganz sicher fest: Dieser Jesus, dessen sterbliche Überreste ich heute auf meinem Seziertisch hatte, starb zwischen dem Jahr dreißig und dem Jahr vierzig unserer Zeitrechnung.»
Hawley ließ seine Hand mit dem Nagel sinken.
«Er war zum Zeitpunkt seines Todes etwa dreißig bis fünfunddreißig Jahre alt.»
Der Nagel rollte aus Hawleys Hand, fiel auf den Tisch, und das Klirren zerriss die atemlose Stille.
«Und er starb am Kreuz!»

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Die grüne Fee

„Was ist eine Absinthfontäne?“, fragte mich gerade eine Leserin. Hier der entsprechende Abschnitt aus „Claras Schatten“ mit einem erklärenden Foto.

Absinth_FontaineNach dem Konzert verabschiedete sich Madlaina ganz gegen ihre sonstigen Gewohnheiten von den anderen Mitgliedern der Band, hakte sich bei Thal ein und führte ihn, unter lachend vorgebrachten, schweizerdeutschen Kommentaren der Musiker, die er zum Glück nicht verstand, aus der Halle. Sie stromerten durch das nächtliche Kreuzlingen, das zu dieser späten Stunde wie ausgestorben wirkte, bis sie in einer Seitenstraße eine geöffnete Bar entdeckten. Das Äußere hatte schon einen leicht anrüchigen Eindruck gemacht, der sich im Innern verstärkte. Viel Plüsch, viel rotes, gedämpftes Licht. Sie setzten sich in eine freie Nische im hinteren Teil des Lokals. Madlaina bestellte und zwei Minuten später brachte der Kellner eine antike Absinthfontäne aus Silber und Glas, dazu eine hohe Flasche, in der eine grüne Flüssigkeit leuchtete. Madlaina füllte die Gläser, legte den silbernen, fein ziselierten Absinthlöffel auf das Glas, platzierte je ein Stück Zucker darauf und stellte sie unter den kleinen Hahn der bauchigen Fontäne. Langsam tropfte das Wasser auf den Zucker, löste ihn auf und fügte ihn dem Getränk zu, das milchig eintrübte. »Auf die Grüne Fee!« Madlaina hob ihr Glas und sie tranken. Der Absinth war weich und rund, er rann erstaunlich mild durch den Rachen. Kaum waren die Gläser leer, schenkte Madlaina nach, trank noch einen kleinen Schluck und lehnte sich dann in das weiche Polster der Sitzbank zurück.

Madlainas Chevy

Madlaina Veicht, in USA ausgebildete Profilerin, Adjutantin bei der Kriminalpolizei in St. Gallen und Sängerin in der Rockband „Die Olsenbande“ fährt das passende Auto, das man auf deutschen Straßen allerdings nur selten sieht: einen Chevrolet Bel Air.
Chevrolet Bel AirEs ist ein Wagen mit besonderen Qualitäten. Zitat aus „Claras Schatten“:
»Ich weiß, es ist der Traum eines jeden Jungen, sein Mädchen auf dem Rücksitz so eines Chevy zu verführen.«
Er warf einen kurzen Blick über die Schulter, den sie lachend kommentierte. »Ausreichend bequem wäre es ja, wie du siehst. Aber ich habe mit dir etwas anderes vor.«
Den Krimi gibt es hier im Moment noch zum Einführungspreis von 99 Cent.

Claras Schatten – Der Seite-99-Test

Wie beurteilt man vor dem Kauf die Qualität eines Buches oder ob es einem gefällt? Man liest den Klappentext und die erste Seite? Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, bei der Lektüre enttäuscht zu werden. Das jedenfalls behauptete vor etwa hundert Jahren der englische Schriftsteller Ford Madox Ford, denn Autoren würden stets die größte Sorgfalt auf den Anfang eines Romans legen. Er empfahl deshalb, die Seite 99 zu lesen. Deshalb also hier:

Béla Bolten: Claras Schatten (derzeit zum Einführungspreis von 99 Cent)
Seite 99

Claras SchattenZehn Minuten später als verabredet drückte Bettina Berg auf die Türklingel des Gründerzeithauses, das sich, was Lage und Aussicht betraf, nicht hinter der Villa Schwör in Konstanz verstecken musste. Direkt am Seeufer und in einer zumindest im Winter kaum befahrenen Straße gelegen, strahlte es Wohlhabenheit und Gediegenheit aus. Harry Schwör öffnete selbst die Tür. »Haben Sie es doch noch gefunden?« blaffte er und führte Berg und Thal mit ausholenden Schritten vorausgehend ins Wohnzimmer, das in einer Mischung aus alten und neuen Möbeln elegant eingerichtet war. Thal, dessen Geschmack von Leah geprägt war, die kühle Sachlichkeit bevorzugt hattee, waren vor allem die bunten Bezüge der Sitzmöbel zu verspielt, gleichzeitig musste er konstatieren, dass sie zum Hausherrn passten, dessen Aufzug eher extravagant war. Schwörs mittelblauer Anzug, zu dem er ein anthrazitfarbenes Hemd mit leuchtend gelber Krawatte trug, kontrastierte auf irritierende Art mit seinem dichten, schlohweißen Haarschopf. Bettina schaute den Mann fasziniert an, was diesen immerhin zu einem, wenn auch nur angedeuteten Lächeln veranlasste. Er bedeutete den Besuchern, in den breiten Sesseln Platz zu nehmen. »Ich nehme an, Sie trinken Kaffee und keinen Tee. Zumindest ist das in den Fernsehkrimis immer so«, brummte Schwör. Thal wollte zuerst dankend ablehnen, entdeckte dann aber eine teure, silbern glänzende Pavoni auf dem Sideboard, zu dem Schwör auf dem Weg war. Fasziniert schaute er zu, wie der alte Mann gekonnt und routiniert die Hebelmaschine bediente. Er wusste, wie viel Übung es kostete, diese dreißig Jahre alte Diva unter den Espressomaschinen zu bedienen. Als Schwör ihm eine Minute später die Tasse reichte, erkannte Thal auf den ersten Blick, dass der Unternehmer auch als Barista erfolgreich geworden wäre. Menge und Crema des caffé waren perfekt und der Geschmack enttäuschte ihn nicht. Schwör lächelte. »Ich sehe, Sie verstehen etwas von gutem Kaffee, Herr Kommissar.«
»Wunderbar«, antwortete Thal. »Darf ich fragen, … ?«
»Ich beziehe meine Bohnen von einem kleinen Röster in Kalabrien«, antwortete Schwör, ohne zu zögern. »Ich gebe Ihnen gerne nachher die Adresse.«
Bettina stellte ihre Tasse als Erste ab. »Sie wissen vermutlich, dass Ihre Enkelin Hannah den Mord an Ihrer Mutter gestanden hat. Was halten Sie davon?«

Bankers Tod – Der Seite-99-Test

Wie beurteilt man vor dem Kauf die Qualität eines Buches oder ob es einem gefällt? Man liest den Klappentext und die erste Seite? Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, bei der Lektüre enttäuscht zu werden. Das jedenfalls behauptete vor etwa hundert Jahren der englische Schriftsteller Ford Madox Ford, denn Autoren würden stets die größte Sorgfalt auf den Anfang eines Romans legen. Er empfahl deshalb, die Seite 99 zu lesen. Deshalb also hier:

Béla Bolten: Bankers Tod – ausnahmsweise Seite 98 und 99 (denn Seite 99 enthält nur wenige Zeilen)

Bankers_Tod:ebookAn einem der Leuchterarme hing an einer silbernen Kette ein Amulett. Bettina nahm es in die Hand und betrachtete es eingehend. Es war das Auge, das auch Teil des Tattoos von Sven Fabri war.
»Schön nicht?«
Bettina zuckte zusammen. Gruber hatte den Raum unbemerkt betreten. Er trat neben sie und nahm das Amulett vom Leuchter.
»Das Horusauge ist ein wunderbarer Schutz gegen alles Böse. Ich denke, Sie können das gut gebrauchen.«
Er legte ihr die Kette um. »Sie haben es doch ständig mit bösen Buben zu tun.«
Bettina legte die Hand auf das Schmuckstück.
»Das kann ich nicht annehmen.«
Gruber legte ihr den Zeigefinger auf ihre Lippen.
»Doch, Sie können, sie müssen sogar.«
Bettina wagte kaum zu atmen, bis er seine Hand zurückzog.
»Woher wissen Sie, dass ich Polizistin bin?«
»Sie sind in dieser Stadt nicht ganz unbekannt und auf dieser Feier sind einige Leute meine Gäste, die sich in unserem Gemeinwesen gut auskennen.«
Bettina sah sich um.
»Interessantes Zimmer.«
»Mein Fitnessraum«, sagte Gruber.
»Ich sehe aber keine Geräte.«
»Die brauche ich nicht, hier geht es um meine mentale Fitness. Für die körperliche habe ich das Schwimmbad. Hätten Sie Lust …?«
Bettina spürte eine Vibration, die sich in ihrem Körper ausbreitete. Für einen Moment war sie geneigt, ihren Kopf an Grubers Schulter zu lehnen und sich von ihm zum Pool oder woanders hin tragen zu lassen. Sie riss sich zusammen.
»Ich muss gehen. Zu viel Arbeit.«
»Ich habe von dem Mord gehört. Schlimme Sache und das in unserer friedlichen Stadt.«
Gruber begleitete sie zur Tür. Bettina reichte ihm die Hand zum Abschied, doch er legte den Arm um ihre Taille, zog sie an sich und küsste sie. Zärtlich und doch voller Leidenschaft. Bettina hatte das Gefühl, dass ihr die Beine versagen. Mit Mühe löste sie sich von ihm.
Gruber sah ihr lächelnd und doch mit einem gewissen Ernst in die Augen. »Wann geben Sie mir die Chance, unsere Bekanntschaft zu vertiefen?«
»Ich melde mich.«
Er zog ein goldenes Etui aus der Tasche und reichte ihr eine Visitenkarte.
»Ich warte auf Ihren Anruf, Bettina.«

Gewinnspiel

Titel_Leahs_Vermaechtnis_300pxAm 23. Oktober, also am kommenden Mittwoch, veröffentliche ich den dritten Berg und Thal Krimi. Wer die Reihe noch nicht kennt, hat jetzt die Gelegenheit.
Unter allen, die bis Dienstag, 22.10.2013 23:59 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff „Gewinnspiel“ an belabolten@email.de schicken, verlose ich zwanzig Exemplare des ersten Berg und Thal Krimis „Leahs Vermächtnis“ als Kindle E-Book.
Viel Glück!

Das Kleingedruckte – Die Teilnahmebedingungen
Wer darf teilnehmen? Jede Person über 16 Jahren
Beginn und Ende des Gewinnspieles: Sonntag, 20. Oktober bis Dienstag, 22. Oktober, 23.59 Uhr
Wann werden die Preise ausgelost: Bis zum 23 Oktober bekommen die Gewinner eine Mail.
Wie werden die Gewinner bestimmt: Unter allen Einsendungen werden die Gewinner per Zufall gezogen. Das geschieht unter Ausschluss des Rechtsweges.
Datenschutzhinweis: Alle Mailadressen und sonstigen Informationen, die ich im Laufe dieses Gewinnspieles zum Zwecke der Gewinnermittlung speichere, werden nach Ablauf des Spieles nicht weiter verwendet und restlos gelöscht.

Besonderer Auftritt

Im dritten Berg und Thal Krimi, der Ende Oktober erscheint, hat eine Konstanzer Musiklegende einen ganz speziellen Auftritt:

Besuch am Tatort

Vor drei Monaten verloste ich gemeinsam mit xtme – Gute Ebooks eine Reise an den Bodensee. Heute war es soweit und ich spazierte mit den Gewinnern Sarah und Carsten aus Dresden zu einigen Schauplätzen der Berg und Thal Krimis in Konstanz.

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Anschließend genossen wir wie die Ermittler Bettina Berg und Alexander Thal hausgemachte Pasta bei Donato, dem authentischen Stück Mittelmeer am Bodensee. Wer ebenfalls Lust hat, Konstanz und den Bodensee einmal auf etwas andere Weise zu erleben, hat in ein paar Wochen eine neue Chance, denn dann erscheint der nächste Krimi vom Bodensee – begleitet von einem neuen Gewinnspiel.
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22. Juni 1941

Am 22. Juni 1941 – also auf den Tag genau vor 72 Jahren – begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der bis Mai 1945 dauernde Deutsch-Sowjetische Krieg, bis heute besser als Russlandfeldzug bekannt. Im Laufe des Krieges starben vor allem wegen der von Deutschen geplanten und ausgeführten Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung zwischen 24 und 40 Millionen Bewohner der Sowjetunion sowie etwa 2,7 Millionen deutsche Soldaten. Für den Historiker Ernst Nolte war dieser Krieg der „ungeheuerlichste Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg, den die moderne Geschichte kennt“.
Folgende Episode aus meinem Roman Codewort Rothenburg spielt am Morgen jenes 22. Juni 1941:

Walter gab keine Ruhe:
»Steh auf, Papa. Mama ist auch schon wach und sitzt am Radio. Da ist irgendwas passiert. Gleich kommt die Sondermeldung.«
Realisation:ebookIn der Küche dröhnte das Radio. Daut wälzte sich stöhnend aus dem Bett und schleppte sich aus dem Schlafzimmer.
Luise saß mit aufgestützten Armen und hochrotem Kopf am Tisch. Walter stand am Küchenschrank und hantierte mit dem Empfänger. Nur Ilse fehlte, sie spielte im Kinderzimmer.
Im Radio lief das Frühkonzert. Mitten in einem schmalzigen Tango setzte ein Trommelwirbel ein, gefolgt von einer gellenden Fanfare. Der Refrain des Horst-Wessel-Liedes. Walters Körper straffte sich, es sah aus, als wolle er mitsingen.
»Sei still«, zischte Luise.
Eine wohlbekannte Melodie löste die Fanfare ab: Das Hauptthema aus Liszts »Les Préludes« kündigte jeden Wehrmachtsbericht an. Die Musik wurde langsam ausgeblendet, und ein Sprecher verkündete mit getragener Stimme:
»Der Großdeutsche Rundfunk veröffentlicht in Kürze eine Sondermeldung!«
Danach ging das Ganze von vorne los. Trommelwirbel, Horst-Wessel-Fanfare, Liszt, Sprecher.
Daut war verärgert.
»Und deswegen weckt ihr mich! Gibt es wenigstens Kaffee?«
Luise deutete auf den Herd, wo eine Emaillekanne stand, von deren Rand schon ein Stück abgesplittert war.
»Wenn du das Gebräu so nennen willst.«
Daut schlurfte zum Herd und goss sich eine Tasse ein. Die braune Flüssigkeit würde ihn zwar nicht wach machen, aber wenigstens seinen Durst löschen. Was hatte er einen Brand! Er nahm einen Schluck.
»Verdammt, ist das heiß!«
Er pustete in die Tasse, um den Muckefuck abzukühlen, und setzte sich neben Luise.
Plötzlich ertönte aus dem Lautsprecher unmittelbar nach dem Ansager die schnarrende Stimme des Reichspropagandaministers. Goebbels verlas eine Erklärung des Führers. Er sprach wie immer seltsam abgehackt, unbetont und schnell. Daut hatte das Gefühl, er nuschele heute noch mehr als sonst. Vielleicht lag es aber auch nur an seinem Kater, dass nur Bruchstücke der Rede in sein Hirn vordrangen.
»Wenn ich bisher durch die Umstände gezwungen war zu schweigen, so ist doch jetzt der Augenblick gekommen, wo ein weiteres Zusehen … ein Verbrechen am deutschen Volk, ja, an ganz Europa wäre. Deutsches Volk! In diesem Augenblick vollzieht sich ein Aufmarsch, der in Ausdehnung und Umfang der größte ist, den die Welt bisher gesehen hat … Ich habe mich … heute entschlossen, das Schicksal und die Zukunft des Deutschen Reiches und unseres Volkes wieder in die Hand unserer Soldaten zu legen. Möge uns der Herrgott in diesem Kampf helfen.«
Wovon redete der Kerl da? Daut verstand die Zusammenhänge nicht. Neben ihm flüsterte Luise.
»Sie hatten recht! Sie hatten tatsächlich recht. Er ist so wahnsinnig und beginnt einen Krieg mit Russland.«
Also davon sprach der hinkende Gnom. Daut wandte sich Luise zu. Sie hatte das Kinn in die aufgestützten Hände gelegt. Aus dem Gesicht war jede Farbe gewichen. Ihre Augen blickten starr geradeaus. Sie bemerkte nicht, dass ihr Mann sie anschaute. Hatte sie Angst? War sie verzweifelt? Nein! Daut kannte seine Frau. Was er sah, war keine Verzweiflung. Es war Entschlossenheit.

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