Béla Bolten

Die grüne Fee

„Was ist eine Absinthfontäne?“, fragte mich gerade eine Leserin. Hier der entsprechende Abschnitt aus „Claras Schatten“ mit einem erklärenden Foto.

Absinth_FontaineNach dem Konzert verabschiedete sich Madlaina ganz gegen ihre sonstigen Gewohnheiten von den anderen Mitgliedern der Band, hakte sich bei Thal ein und führte ihn, unter lachend vorgebrachten, schweizerdeutschen Kommentaren der Musiker, die er zum Glück nicht verstand, aus der Halle. Sie stromerten durch das nächtliche Kreuzlingen, das zu dieser späten Stunde wie ausgestorben wirkte, bis sie in einer Seitenstraße eine geöffnete Bar entdeckten. Das Äußere hatte schon einen leicht anrüchigen Eindruck gemacht, der sich im Innern verstärkte. Viel Plüsch, viel rotes, gedämpftes Licht. Sie setzten sich in eine freie Nische im hinteren Teil des Lokals. Madlaina bestellte und zwei Minuten später brachte der Kellner eine antike Absinthfontäne aus Silber und Glas, dazu eine hohe Flasche, in der eine grüne Flüssigkeit leuchtete. Madlaina füllte die Gläser, legte den silbernen, fein ziselierten Absinthlöffel auf das Glas, platzierte je ein Stück Zucker darauf und stellte sie unter den kleinen Hahn der bauchigen Fontäne. Langsam tropfte das Wasser auf den Zucker, löste ihn auf und fügte ihn dem Getränk zu, das milchig eintrübte. »Auf die Grüne Fee!« Madlaina hob ihr Glas und sie tranken. Der Absinth war weich und rund, er rann erstaunlich mild durch den Rachen. Kaum waren die Gläser leer, schenkte Madlaina nach, trank noch einen kleinen Schluck und lehnte sich dann in das weiche Polster der Sitzbank zurück.

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