Béla Bolten

Bankers Tod – Der Seite-99-Test

Wie beurteilt man vor dem Kauf die Qualität eines Buches oder ob es einem gefällt? Man liest den Klappentext und die erste Seite? Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, bei der Lektüre enttäuscht zu werden. Das jedenfalls behauptete vor etwa hundert Jahren der englische Schriftsteller Ford Madox Ford, denn Autoren würden stets die größte Sorgfalt auf den Anfang eines Romans legen. Er empfahl deshalb, die Seite 99 zu lesen. Deshalb also hier:

Béla Bolten: Bankers Tod – ausnahmsweise Seite 98 und 99 (denn Seite 99 enthält nur wenige Zeilen)

Bankers_Tod:ebookAn einem der Leuchterarme hing an einer silbernen Kette ein Amulett. Bettina nahm es in die Hand und betrachtete es eingehend. Es war das Auge, das auch Teil des Tattoos von Sven Fabri war.
»Schön nicht?«
Bettina zuckte zusammen. Gruber hatte den Raum unbemerkt betreten. Er trat neben sie und nahm das Amulett vom Leuchter.
»Das Horusauge ist ein wunderbarer Schutz gegen alles Böse. Ich denke, Sie können das gut gebrauchen.«
Er legte ihr die Kette um. »Sie haben es doch ständig mit bösen Buben zu tun.«
Bettina legte die Hand auf das Schmuckstück.
»Das kann ich nicht annehmen.«
Gruber legte ihr den Zeigefinger auf ihre Lippen.
»Doch, Sie können, sie müssen sogar.«
Bettina wagte kaum zu atmen, bis er seine Hand zurückzog.
»Woher wissen Sie, dass ich Polizistin bin?«
»Sie sind in dieser Stadt nicht ganz unbekannt und auf dieser Feier sind einige Leute meine Gäste, die sich in unserem Gemeinwesen gut auskennen.«
Bettina sah sich um.
»Interessantes Zimmer.«
»Mein Fitnessraum«, sagte Gruber.
»Ich sehe aber keine Geräte.«
»Die brauche ich nicht, hier geht es um meine mentale Fitness. Für die körperliche habe ich das Schwimmbad. Hätten Sie Lust …?«
Bettina spürte eine Vibration, die sich in ihrem Körper ausbreitete. Für einen Moment war sie geneigt, ihren Kopf an Grubers Schulter zu lehnen und sich von ihm zum Pool oder woanders hin tragen zu lassen. Sie riss sich zusammen.
»Ich muss gehen. Zu viel Arbeit.«
»Ich habe von dem Mord gehört. Schlimme Sache und das in unserer friedlichen Stadt.«
Gruber begleitete sie zur Tür. Bettina reichte ihm die Hand zum Abschied, doch er legte den Arm um ihre Taille, zog sie an sich und küsste sie. Zärtlich und doch voller Leidenschaft. Bettina hatte das Gefühl, dass ihr die Beine versagen. Mit Mühe löste sie sich von ihm.
Gruber sah ihr lächelnd und doch mit einem gewissen Ernst in die Augen. »Wann geben Sie mir die Chance, unsere Bekanntschaft zu vertiefen?«
»Ich melde mich.«
Er zog ein goldenes Etui aus der Tasche und reichte ihr eine Visitenkarte.
»Ich warte auf Ihren Anruf, Bettina.«

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