Béla Bolten

Donato

Wohl jeder hat Lieblingsorte, die für ihn das ganz besondere Flair seines Wohnortes ausmachen und zu denen er Besucher gerne führt. Einer dieser Plätze in meiner Heimatstadt ist ein von außen unscheinbares Ladenlokal, durch dessen Eingangstür man aber ein wunderbar authentisches Stück Mittelmeer am Bodensee betritt. Kein Wunder also, dass die Ermittler in „Sünders Fall“, dem neuen Berg und Thal Krimi, dort einkehren.

Donato für BlogBettina Berg und Alexander Thal betraten Donatos Feinkostgeschäft zur rechten Zeit. Die ersten Mittagsgäste hatten ihre Portion Gnocchi al pesto genovese bereits verspeist, und so waren an einem der Stehtische im hinteren Teil des kleinen Ladenlokals zwei Plätze frei geworden. Zur Mittagszeit war es oft gesteckt voll, denn Marias hausgemachte Spezialitäten hatten sich längst unter den Feinschmeckern der Stadt herumgesprochen. Donato stand hinter der Theke und schnitt feine Scheiben von einem Schinken.
»Ciao, commissario. Come stai?«
»Io sto bene, grazie, Donato«
Berg und Thal stellten sich an den Tisch und schauten sich die bunt zusammengewürfelte Gästeschar an. Anzugträger aus den nahe gelegenen Banken standen neben Studenten in T-Shirts und ausgefransten Jeans. Eine Frau mit leuchtend roten Haaren lachte auf und prostete ihrem Gesprächspartner mit einem Glas Weißwein zu. Der Mann im Anzug, aber mit Schal statt Krawatte kam Bettina bekannt vor, sie wollte Thal fragen, aber er kam ihr zuvor.
»Schau mal an, der frisch gekürte Herr Oberbürgermeister setzt die Tradition seines Vorgängers fort, der konnte Marias Hausmannskost nämlich auch nicht widerstehen.«
Wie auf ein Stichwort kam die Chefin aus der Küche, in der Hand zwei dampfende Teller, die sie dem Bürgermeister und seiner Begleiterin servierte. Auf dem Rückweg stoppte sie kurz und legte Thal die Hand auf den Arm.
»Wie geht es dir, Alexander?«
Er legte kurz seine Hand auf ihre und lächelte sie an. »Langsam besser.«
»Gut«, sagte Maria und war schon wieder in der Küche verschwunden.
Bettina spürte eine Melancholie in sich aufsteigen, die sie jetzt nicht gebrauchen konnte. Sie war froh, dass Donato mit zwei Gläsern und einem Teller an den Tisch trat.
»Ein Prosecco als aperitivo und ein bisschen Pata-negra-Schinken. Buon appetito!«
»Wir sind leider im Dienst«, wandte Bettina ein, aber Thal winkte ab, und Donato sagte, ohne einen Widerspruch zu dulden: »Prosecco ist kein Alkohol.«
Thal nahm sein Glas und prostete Bettina zu. »Salute!«
Sie trank einen kleinen Schluck und aß eine Scheibe des köstlichen Schinkens. Auch Thal griff zu und sagte mit vollem Mund: »So einen Laden findest du nördlich der Alpen in kaum einer anderen Stadt.«
»Das wollen wir doch meinen!« Maria stellte zwei große Teller mit dampfenden Gnocchi auf den Tisch. »Lasst es euch schmecken.«
Bettina spießte einen der kleinen Klöße auf die Gabel, zog ihn durch die Sauce und pustete zwei Mal dagegen, ehe sie ihn in den Mund steckte. Nach zwei Bissen schloss sie die Augen. »Köstlich.«

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