Béla Bolten

Kein Schall und Rauch

Namen sind kein Schall und Rauch. Im Gegenteil. Jeder Autor investiert viel Zeit und Hirnschweiß in die Erschaffung seiner Charaktere, die meisten legen teilweise sehr detaillierte Datenblätter für jede Figur an, definieren ihr Aussehen und ihre Charaktereigenschaften. Der Leser soll die handelnden Personen einer Geschichte kennenlernen, nur dann wird er mit ihnen leiden, hoffen, bangen – kurz: in den Sog der Geschichte gezogen. Wer so viel Sorgfalt auf die Figurenentwicklung verwendet, sollte beim Namen nicht schludern. Namen sind starke Assoziationstreiber, sie können den vom Autor gewollten Charakter einer Person verdeutlichen oder konterkarieren.

So einsichtig die Bedeutung der Vor- und Nachnamen von Protagonisten, Antagonisten und Nebenfiguren einer Geschichte ist, so schwierig kann sich im Schreiballtag die Namensgebung gestalten. Manchmal gebe ich einer Figur beim Plotten nur einen Buchstaben und entscheide mich erst während des Schreibprozesses für die Vor- und Nachnamen. Es gilt schließlich einiges zu beachten.
Ich schreibe keine Fantasy, also verzichte ich auf exotische Namen. Meine Protagonisten tragen Namen, die sich auch im Telefonbuch einer deutschen Großstadt finden könnten.
Meine Romane spielen in der Vergangenheit, es verbieten sich also Namen, die es damals eventuell noch nicht gab oder die völlig ungebräuchlich waren. Hier hilft bei der Recherche eine Website, auf der die beliebtesten Vornamen von 1890 bis in die Gegenwart nach Jahrgängen gelistet sind.
Bei den Familiennamen bin ich aber weiterhin auf die eigene Fantasie angewiesen. Um diese in Schwung zu bringen, ist ein Zufalls-Namensgenerator oft hilfreich. Außerdem notiere ich jeden Namen, der mir wo auch immer begegnet und aufgefallen ist, in meinem Sudelbuch.
Einige »objektive« Kriterien allerdings beachte ich grundsätzlich.
Die Aussprache eines Namens sollte klar sein, wenn der Leser hier rätseln muss, wird er schwerlich die Distanz zur Figur verlieren.
Es sollte keine ähnlich klingenden Namen geben, um Verwechslungen zu vermeiden.
Auch Alliterationen verwende ich kaum. Sie wirken oft gekünstelt und ich assoziiere damit am ehesten Kinder- und Jugendliteratur (Peter Pan, Tim Thaler).
Eine Kleinigkeit mit allerdings großen Folgen zum Schluss: Namen mit einem »s« am Ende meide ich, um beim Genitiv / Possessiv nicht ständig umständlich formulieren zu müssen. Der Apostroph, auch wenn er wie bei »Thomas‘ Auto« angebracht ist, scheint mir eine wahre Stolperfalle für den Lesefluss zu sein, die besser gleich bei der Namenswahl vermieden wird.

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