Béla Bolten

Es lebe der Plot

Jeder Autor hat seine eigene Art zu schreiben. Ich habe von Kollegen gehört, die sich mit einer groben Idee im Kopf an den Computer setzen und zu schreiben beginnen. Sie wissen nicht, wohin es sie führen wird, sondern lassen sich von ihrer Intuition und Kreativität leiten. Die Geschichte entsteht beim Schreiben als »work in progress« im wahrsten Sinne des Wortes. Andere entwerfen einen groben Plot, in dem die wichtigsten Handlungsstränge kurz skizziert werden, ohne alle offenen Fragen zu klären. Auch hier sind im Schreibprozess noch Wendungen möglich, von denen der Autor zu Beginn nicht einmal etwas ahnte.
All das wäre nichts für mich. Ich bin der Typ »detailversessener Plotter«.
Natürlich beginnt auch bei mir alles mit einer ersten Idee. Daraus schreibe ich als erstes eine Art Exposé, das meistens nicht länger als eine Seite ist und den Grundgedanken und eine mögliche Entwicklung der Geschichte enthält. Auch der Schluss ist hier in der Regel schon beschrieben, wobei ich zugegeben muss, dass ich ihn bei »Codewort Rothenburg« im Laufe der späteren Arbeit noch drei Mal verändert habe.
Dann beginnt die Arbeit am Plot, die durchaus die Hälfte der Gesamtarbeitzeit an einem Roman ausmachen kann. Ich entwerfe zuerst detaillierte Personenbeschreibungen meiner Protagonisten, in denen es nicht nur um die Äußerlichkeiten wie Alter, Größe oder Haarfarbe geht, sondern vor allem um Charaktereigenschaften.
Beim Plotaufbau folge ich von Anfang an einer Kapitelstruktur, auch wenn diese sich im Laufe der Arbeit häufig ändert. Bei jedem Kapitel lege ich den Handlungsort und die Zeit fest, definiere, welche Personen in der Szene zugegen sind und entwerfe erste Dialogskizzen. So entsteht nach und nach die Geschichte. Der Plot wird immer genauer, denn bevor ich eine neue Szene entwickle, lese ich die am Tag zuvor geschriebenen Notizen, arbeite sie um oder ergänze sie. Am Schluss dieser Arbeitsphase steht ein umfangreicher Handlungsablauf, bei »Codewort Rothenburg« waren es etwa 50 Seiten. Jetzt heißt es: Pause! Ein oder zwei Wochen lasse ich den Plot liegen, ehe ich ihn noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und ergänze bzw. Kapitelumstellungen vornehme usw.
Erst danach fühle ich mich sicher genug, die Geschichte zu schreiben. Vor allem: Ich weiß genau, wohin ich in einer Szene will bzw. welche Funktion ein Dialog für den Fortgang der Geschichte hat. Deshalb kann ich mich ausschließlich auf den Text konzentrieren und an ihm feilen, ohne mir über die Dramaturgie des Romans Gedanken machen zu müssen. Ohne diese Freiheit wäre ich gehemmt und mir würde jede Leichtigkeit fehlen, die für mich Voraussetzung kreativen Scheibens ist.

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